Bordeaux Pirate entert das Bordeaux-Bashing

Das Flakon-Team hatte Gelegenheit, Jean-Baptiste Duquesne kennenzulernen, einen der Gründer der Vereinigung der Winzer von Bordeaux Pirate. Wir erzählen euch davon …
Was ist Bordeaux-Bashing?
Um zu verstehen, was Bordeaux Pirate ist, müssen wir zunächst über das Bordeaux-Bashing sprechen: eine vor allem in Frankreich verbreitete Haltung, bei der Weine aus Bordeaux gemieden, wenn nicht gar boykottiert werden. Das ist natürlich keine organisierte Bewegung, sondern eine Einstellung, die vor allem bei wohlhabenderen Städtern anzutreffen ist, denen Bordeaux als Institution für Rotwein überdrüssig geworden ist.

Schwer zugängliche Weine
Ob das Bordeaux-Bashing nun bloßer Snobismus ist oder tatsächlich auf Missstände hinweist: Es beruht auf durchaus nachvollziehbaren Gründen. Da ist zunächst die schwierige Zugänglichkeit dieser Weine mit ihrer jahrtausendealten Tradition: Klassifizierte Weingüter verlangen Spitzenpreise, und die Weine sind zum Lagern gedacht. Doch nicht jeder kann sich so teure Flaschen leisten oder fünfzehn bis zwanzig Jahre warten, bevor er seinen Wein probieren kann.
Ein zu stark fragmentierter Markt
Hinzu kommt die starke Zersplitterung des Marktes: Unter den mehr als 7.000 Weingütern setzen viele auf Menge statt auf Qualität, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Für Weinliebhaber ist es daher schwierig, ohne Weiteres einen guten, erschwinglichen Bordeaux zu entdecken. Einerseits stoßen sie immer wieder auf günstige, aber recht mittelmäßige Flaschen. Andererseits können manche Winzer ihre Weine wegen des überfüllten Marktes nicht einmal im Weinfachhandel oder Supermarkt anbieten.

Wenig vielfältige Weine
Schließlich geht es um die Ähnlichkeit der Bordeaux-Weine untereinander. Sie setzen eher auf feine Nuancen als auf Vielfalt, weshalb es einiges an Übung braucht, um sie voll und ganz zu schätzen. Viele Verbraucher möchten heute überrascht werden, wenn sie einen Wein probieren – und Bordeaux überrascht sie nicht mehr.
Bordeaux Pirate schlägt zurück!
Die Ursprünge der Bewegung
Hier kommt Bordeaux Pirate ins Spiel. Was als Facebook-Seite begann und Tausende Nutzer zusammenbrachte, wurde auf Initiative von Jean-Baptiste Duquesne, Laurent David, Laurent Cassy und Fabien Lapeyre zu einer eigenständigen Vereinigung. Sie alle stammen von ganz unterschiedlichen Weingütern aus Bordeaux und sind Kinder des Bordeaux-Bashings. Ihr Ziel ist es, das Image von Bordeaux zu erneuern, die strukturellen Probleme der Branche zu überwinden und originelle Weine zu fördern – sei es durch ihre Rebsorte, ihre Vinifikation oder ihre Vermarktung. Wer bei den Bordeaux-Piraten mitmachen will, muss keine festen Regeln erfüllen: Entscheidend ist der Wille, einen guten Biowein anzubieten und die ausgetretenen Pfade der Bordelaiser Tradition zu verlassen.

Neues und Originelles fördern
Bordeaux Pirate möchte Winzern Anerkennung verschaffen, deren Weine unter die Bezeichnung "Vin de France" fallen – die als zu allgemein einen schlechten Ruf hat –, weil sie etwas Neues gewagt haben: etwa einen Wein im Amphorenfass ausgebaut oder eine vergessene Rebsorte verwendet haben. Denn obwohl Merlot und Cabernet Sauvignon die vorherrschenden und hochgelobten Rebsorten im Bordelais sind, gab es in der Region einst mehr als vierzig Rebsorten. Duquesne will sie wieder in Mode bringen. Sechsundzwanzig davon hat er auf seinem Weingut Château Cazebonne neu angepflanzt und bietet bereits Cuvées aus fünf von ihnen an.
Ein brandneues "Pirate"-Gütesiegel
Ende des Jahres kamen die Winzer von Bordeaux Pirate zusammen, um ein "Pirate"-Gütesiegel zu schaffen. Dafür verkostete und bewertete eine Jury aus Önologen, Sommeliers und anderen Fachleuten 72 Cuvées der Piratenwinzer. Nach den Kriterien Qualität und Originalität des Weins erhielten 52 Cuvées das "Pirate"-Gütesiegel. Der Angriff auf die Institution scheint begonnen zu haben – wann wird verhandelt?
